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Embodiment

Oberkörper einer Frau, beide Hände auf der Brust, als würde sie versuchen ihren Körper achtsam wahrzunehmen, Symbolbild für Embodiment

Embodiment bedeutet auf Deutsch Verkörperung. Der Begriff beschreibt, wie eng unser Denken, Fühlen und Handeln mit unserem Körper verbunden ist. Unsere Erfahrungen beeinflussen nicht nur, was wir über uns selbst und die Welt denken, sondern auch, wie wir Situationen körperlich wahrnehmen und auf sie reagieren.

Das ist besonders interessant, wenn es um emotionale Abhängigkeit geht. Denn manchmal wissen wir längst, dass uns eine Beziehung nicht guttut, und halten trotzdem an ihr fest. Um zu verstehen, warum sich solche Muster so hartnäckig halten können, lohnt sich ein Blick auf das Zusammenspiel von Körper und Psyche.

Wovon geht der Embodiment-Ansatz aus?

Der Embodiment-Ansatz geht davon aus, dass psychische Prozesse nicht unabhängig vom Körper ablaufen. Unsere Gedanken, Gefühle und Entscheidungen werden unter anderem von unseren Sinneswahrnehmungen, Bewegungen, körperlichen Empfindungen und Erfahrungen beeinflusst. Gleichzeitig wirken sich unsere Gedanken und Gefühle auf unseren Körper aus.

Ein Beispiel: Wenn du dich unsicher fühlst, ziehst du vielleicht unbewusst die Schultern hoch, hältst den Atem an oder spannst deinen Kiefer an. Umgekehrt können körperliche Anspannung und eine flache Atmung beeinflussen, wie du dich fühlst und wie du eine Situation einschätzt.

Körper und Psyche stehen also in einer wechselseitigen Beziehung. Was wir erleben, beeinflusst unseren Körper – und unser körperlicher Zustand wirkt sich darauf aus, wie wir die Welt erleben.

Woher kommt der Begriff Embodiment?

Die Idee, dass Körper und Geist eng zusammengehören, ist nicht neu. Philosophische Ansätze, etwa die Phänomenologie von Maurice Merleau-Ponty, beschäftigten sich bereits im 20. Jahrhundert mit der Bedeutung des gelebten Körpers für unsere Wahrnehmung und unser Erleben.

In der Kognitionswissenschaft gewann Embodiment insbesondere ab den 1980er- und 1990er-Jahren an Bedeutung. Einen wichtigen Beitrag leistete das 1991 erschienene Buch The Embodied Mind von Francisco Varela, Evan Thompson und Eleanor Rosch. Die Autoren stellten die Vorstellung infrage, dass Denken vor allem ein vom Körper unabhängiger Vorgang sei.

Heute wird Embodiment in unterschiedlichen Bereichen der Psychologie und Neurowissenschaften untersucht, beispielsweise bei der Frage, wie Körperempfindungen, Emotionen und Denken zusammenwirken.

Was hat Embodiment mit emotionaler Abhängigkeit zu tun?

Emotionale Abhängigkeit zeigt besonders deutlich, warum es nicht immer genügt, eine Situation rational zu verstehen.

Vielleicht bist du in einer Beziehung, in der du dich ständig anpassen musst, Angst vor Zurückweisung hast und deine eigenen Bedürfnisse zurückstellst. Du weißt, dass dir diese Beziehung nicht guttut. Trotzdem fühlt sich der Gedanke an eine Trennung unerträglich an.

Dahinter können auch tief verwurzelte Überzeugungen stehen, die du bereits früh im Leben entwickelt hast. Vielleicht hast du gelernt, dass du nur dann geliebt wirst, wenn du es anderen recht machst. Oder dass du jemanden brauchst, der dir Sicherheit gibt, weil du allein mit schwierigen Gefühlen nicht zurechtkommst.

Solche Erfahrungen prägen nicht nur unser Selbstbild. Sie können auch beeinflussen, wie wir körperlich auf Nähe, Konflikte, Zurückweisung oder Alleinsein reagieren. Schon die Vorstellung, verlassen zu werden, kann beispielsweise Herzklopfen, innere Unruhe oder ein beklemmendes Gefühl auslösen.

Du kannst also mit dem Verstand wissen, dass du ohne deinen Partner besser dran wärst, während sich Alleinsein auf einer emotionalen und körperlichen Ebene weiterhin bedrohlich anfühlt.

Im Zusammenhang mit Embodiment lässt sich sagen, dass sich solche Überzeugungen in unseren gewohnten Reaktionen und Verhaltensweisen widerspiegeln. Sie sind nicht buchstäblich im Körper gespeichert. Vielmehr haben sich bestimmte Reaktionsmuster durch wiederholte Erfahrungen eingeprägt.

Deshalb kann es so schwer sein, sie allein durch Nachdenken zu verändern.

Wie kann Embodiment helfen, emotionale Abhängigkeit zu überwinden?

Wenn sich bestimmte Muster nicht allein durch rationale Einsicht verändern lassen, kann es hilfreich sein, neben den Gedanken auch die körperliche Ebene einzubeziehen.

Dazu gehört zunächst, die eigenen Körperempfindungen bewusster wahrzunehmen: Was passiert in dir, wenn dein Partner nicht antwortet? Was spürst du, wenn du dir vorstellst, eine Grenze zu setzen oder allein zu sein? Und was hilft dir, mit diesen Empfindungen umzugehen, ohne sofort in alte Verhaltensmuster zurückzufallen?

Das Ziel ist nicht, unangenehme Gefühle einfach wegzumachen. Vielmehr kannst du lernen, sie wahrzunehmen und schrittweise anders mit ihnen umzugehen. So kann beispielsweise die Erfahrung wachsen, dass du Unsicherheit aushalten kannst, ohne sofort die Nähe eines anderen Menschen herstellen zu müssen.

Welche Rolle spielen somatische Übungen?

Somatische Übungen sind körperorientierte Übungen, die dabei helfen können, Körperempfindungen bewusster wahrzunehmen und den Umgang mit Stress und belastenden Gefühlen zu unterstützen. Dazu gehören beispielsweise sanfte Bewegungen, eine bewusste Wahrnehmung des Atems oder Übungen, bei denen du deine Körperhaltung und Muskelspannung beobachtest.

Forschung zu körperbezogenen Interventionen und zur sogenannten Interozeption – der Wahrnehmung innerer Körpersignale – zeigt, dass sich die Körperwahrnehmung durch bestimmte Übungen verbessern lässt. Wie stark sich dadurch psychische Beschwerden verändern, hängt allerdings von der jeweiligen Intervention und dem untersuchten Bereich ab.

Bei emotionaler Abhängigkeit können solche Übungen ein Baustein sein, um einen bewussteren Umgang mit den eigenen Gefühlen zu entwickeln. Sie ersetzen nicht die Auseinandersetzung mit den zugrunde liegenden Überzeugungen und Beziehungsmustern, können diese Arbeit aber ergänzen.

Vom Verstehen zum Verändern

Vielleicht hast du schon viel über emotionale Abhängigkeit gelesen und verstehst, warum dir das Loslassen so schwerfällt. Doch Wissen allein verändert nicht immer, wie du in belastenden Situationen reagierst.

Wenn du lernen möchtest, deine Körperwahrnehmung zu stärken und mit Stress und schwierigen Gefühlen anders umzugehen, lade ich dich zu meinem kostenlosen Newsletter „Vom Kopf in den Körper“ ein. Du erhältst psychologische Impulse und körperorientierte Übungen, die dich dabei unterstützen, neue Erfahrungen mit dir selbst zu machen und alte Reaktionsmuster schrittweise zu verändern.

Hier kannst du dich für „Vom Kopf in den Körper“ anmelden.

Vielleicht weißt du längst, dass dir eine Beziehung nicht guttut, und hältst trotzdem an ihr fest. In meinem Buch Lieber aus guten Gründen alleine als aus falschen Gründen zusammen erfährst du, warum emotionale Abhängigkeit so hartnäckig sein kann und wie du mithilfe somatischer Übungen lernen kannst, belastende Gefühle anders zu regulieren und alte Beziehungsmuster zu verändern.

Katharina Samoylova

Psychologin und Mentorin

Mail: info(at)katharinalova.de

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